{"id":888,"date":"2024-03-10T13:29:09","date_gmt":"2024-03-10T13:29:09","guid":{"rendered":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/?p=888"},"modified":"2024-04-11T16:39:32","modified_gmt":"2024-04-11T16:39:32","slug":"3-ein-unerschrockenes-zebra-und-das-unerklaerliche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/2024\/03\/10\/3-ein-unerschrockenes-zebra-und-das-unerklaerliche\/","title":{"rendered":"#3 Ein unerschrockenes Zebra und das Unerkl\u00e4rliche"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00dcber mindestens zwei Ecken d\u00fcrfte es gelaufen sein, aber der Ursprung unseres Treffens ist uns beiden heute noch unbekannt und das macht auch nichts. Denn wir sind hier und reden \u00fcber ihre Arbeit im &#8220;Oberst\u00fcbchen&#8221;, den Wald als Heilanstalt und warum sie keine ihrer Erfahrungen missen m\u00f6chte. Monika Osl ist Mentalcoach und psychosoziale Beraterin, Mutter von drei lebenden Kindern und von Magdalena, Kilian und Noah.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dabei f\u00fchrte sie Magdalena zu ihrer heutigen Aufgabe und wahrscheinlich einer Art Berufung. Denn der Zulauf war von Anfang an gro\u00df und man traut es ihr zu, trauernde Menschen mit dem zu n\u00e4hren, was ihnen in speziellen Zeiten fehlt. Und dabei kristallisiert sich das immer wiederkehrende Rezept heraus: dass es nicht die Ratschl\u00e4ge oder einge\u00fcbten S\u00e4tze sind, die helfen, sondern das Zuh\u00f6ren und wertfreie Geltenlassen. Wobei sie nicht ohne Schmunzeln auf ein damals unberechenbares Ich zur\u00fcckblickt. Denn Recht machen, kann man es einer Trauernden oft schwer. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03-Monika.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>Sie ist gern unter Leuten, solide eingewoben in das soziale Gef\u00fcge einer \u00fcberschaubaren Dorfgemeinde. Ein nahbares Netz an hilfsbereiten Mitmenschen, wo sich durch ihre drei Erfahrungen die ein oder andere \u00dcberraschung offenbarte. Begegnungen, Gesten oder Tiefg\u00e4nge, die man so nicht erwartet h\u00e4tte. Auch Entt\u00e4uschungen, das ist klar. Aber auch eigenwillige Situationen, wo Menschen im Alltag die Stra\u00dfenseite wechselten oder jemand so lange in das eine Regal im Supermarkt starrte, bis die Betroffene endlich vorbei gegangen war \u2013&nbsp;das gab es auch. Und retrospektiv kann sie erkennen, dass es oft ihre eigenen Signale waren, die dem Gegen\u00fcber ein Ausweichen suggeriert haben \u2013 dass in ihrem &#8220;Trauerhaus&#8221; die T\u00fcren auch manchmal verschlossen waren. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Ich hab f\u00fcr mich gemerkt, wenn ich Antworten bekommen hab, dass ich die nicht h\u00f6ren wollte. Das Unerkl\u00e4rliche erkl\u00e4rt zu bekommen, war auch etwas, das nicht stimmig war.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich dominiert oft auch die Sinnfrage, die Suche nach Gerechtigkeit, die Gr\u00f6\u00dfenordnung der Eigenverantwortung, wer denn nun die Schuld tr\u00e4gt oder schlicht eine schl\u00fcssige Erkl\u00e4rung liefern kann. H\u00e4tte ihr der Pfarrer damals nicht geantwortet, dass er es sich selbst nicht erkl\u00e4ren kann, dass der Liebe Gott obendrein vielleicht sogar einen Engel gebraucht hatte, h\u00e4tte sie ihn wahrscheinlich auf den Mond geschossen. Und auch jede andere Antwort oder jeder gutgemeinte Ratschlag liefen ins Leere, verfehlten ihre G\u00fcltigkeit, weil sie sich am Ende nie stimmig genug anf\u00fchlten. Da kannst Du sagen, was Du willst. Am wohlsten tut es, wenn Du dieselben Fragen einfach immer wieder stellen darfst.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gespr\u00e4ch flie\u00dft, Monika als erfahrende Quelle vieler Aspekte. Sie erinnert sich an ihre Arbeit im Hospiz, wo die einst ungeborenen Kinder in der letzten Lebensphase \u00e4lterer Menschen oft einen gro\u00dfen Stellenwert einnehmen. Vor allem, weil in dieser Generation sehr wenig dar\u00fcber gesprochen wurde. &#8220;Man untersch\u00e4tzt, wie nicht gelebte Trauer in einem arbeitet&#8221;, bemerkt sie und wir nicken uns zu. Das Krankenhaus in Kufstein sei ein Vorbild f\u00fcr den Umgang mit stillen Geburten, die sofortige seelische Betreuung ein Ma\u00dfstab, wie man ihn in anderen Kliniken oft vermisst. Obwohl sich seit ihren Erfahrungen, die bald 26 Jahre zur\u00fcckliegen, schon sehr viel getan hat und das Tabu mehr und mehr im Abnehmen begriffen ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"874\" src=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03-Monika-PiaOsl-UnsereFamilie-1024x874.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-892\" srcset=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03-Monika-PiaOsl-UnsereFamilie-1024x874.jpg 1024w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03-Monika-PiaOsl-UnsereFamilie-300x256.jpg 300w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03-Monika-PiaOsl-UnsereFamilie-768x656.jpg 768w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03-Monika-PiaOsl-UnsereFamilie-1536x1311.jpg 1536w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03-Monika-PiaOsl-UnsereFamilie-2048x1748.jpg 2048w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03-Monika-PiaOsl-UnsereFamilie-1920x1639.jpg 1920w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03-Monika-PiaOsl-UnsereFamilie-720x615.jpg 720w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03-Monika-PiaOsl-UnsereFamilie-580x495.jpg 580w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/03-Monika-PiaOsl-UnsereFamilie-320x273.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Und ob man es jetzt sagen darf oder nicht, aber die &#8220;legend\u00e4re Arschkarte&#8221; wird h\u00f6chstwahrscheinlich willk\u00fcrlich verteilt und die Herausforderung besteht darin, gut damit umzugehen. Ohne dabei zu vergessen, dass man niemals alleine ist, wo doch im Falle Monika&#8217;s immer die Familie als stabiler Anker und bedingungsloser Zufluchtsort vorhanden ist.  Noch unbescholtener vermittelt sich der Blick der Kinder auf ihre Geschwister im &#8220;Irgendwo&#8221;. <\/p>\n\n\n\n<p>Ist es nicht klar, dass Kerzen auf dem Grab eines Bruders langweilig sind? Das gef\u00e4llt doch nur Omas. Warum spielt man denn nicht Frisbee auf dem Friedhof? \u2013\u00a0Gefragt, getan. Dass die Nachbarschaft hier die Augen rollt, ist in diesen herzlichen Momenten leicht verdaulich. Auf die Frage nach greifbaren Objekten im Prozess der Verarbeitung erinnert sich Monika an die Arche aus Playmobil, die an Noah&#8217;s Grab lange stand. Die Jungs aus der Nachbarschaft trafen sich regelm\u00e4\u00dfig vor dem Fu\u00dfballspielen bei der Arche. Ein Ritus, der sich damals als Selbstverst\u00e4ndlichkeit in den Alltag wob \u2013\u00a0ein Ort der spielerischen Vergegenw\u00e4rtigung. Das ging eine ganze Weile so, bis anscheinend irgendwann ein Zebra verschwand.<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl mehr als eine Dekade sp\u00e4ter durfte Monika \u00fcber den Verbleib erfahren, als eines Tages einer der mittlerweile erwachsenen Buben vor der Haust\u00fcr stand und das Zebra zur\u00fcckgeben wollte. Es habe lange Zeit auf seinem Nachtk\u00e4stchen gestanden und ihn daran erinnert, dass es nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, als Kind am Leben sein zu d\u00fcrfen. \u2013&nbsp;Ein bemerkenswerter Nachhall, der im Staunen daran erinnert, dass der offene Umgang eine Au\u00dfenwirkung erzeugen kann, die man sich im damaligen Moment kaum vorzustellen vermochte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Es ist von sich aus schon so ein Tabuthema, aber die Papa-Trauer ist noch unsichtbarer.<\/p><cite>M\u00e4nnliche Stimme aus der &#8220;Trauergruppe f\u00fcr verwaiste Eltern&#8221;.<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein gro\u00dfes Kapitel in ihrem Leben stellt auch die damals ins Leben gerufene Trauergruppe dar. Ein monatlicher Redekreis, dessen Idee sich mittlerweile schon weit \u00fcber die Grenzen von Kufstein hinaus getragen hat. Auf diesem Weg hat Monika viele heilende Begegnungen begleitet, hat aber auch das Gef\u00fchl diese Aufgabe bald abgeben zu wollen. Denn ,wenn es eine Lehre gibt, die sie f\u00fcr sich gezogen hat, dann ist es wohl das konkretere Bewusstsein die Endlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Selbstverst\u00e4ndnis der Endlichkeit im Wachsen und Absterben in der Natur, und damit verbunden auch des eigenen Lebens. Was am Anfang als Schmerz empfunden wird, kann in Folge auch Positives bewirken. Ein erh\u00f6htes Bewusstsein, das den Bed\u00fcrfnissen des Ichs gen\u00fcgend Aufmerksamkeit schenkt \u2013 womit sich Lebensfreude und die damit einhergehende Dankbarkeit ebenb\u00fcrtig begegnen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Weiterf\u00fchrender Link: <a href=\"https:\/\/kopfstark.at\/home\/index.php\/news\/trauergruppe18\">kopfstark.at &#8211; Trauergruppe verwaister Eltern<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber mindestens zwei Ecken d\u00fcrfte es gelaufen sein, aber der Ursprung unseres Treffens ist uns beiden heute noch unbekannt und das macht auch nichts. Denn wir sind hier und reden \u00fcber ihre Arbeit im &#8220;Oberst\u00fcbchen&#8221;, den Wald als Heilanstalt und warum sie keine ihrer Erfahrungen missen m\u00f6chte. 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