{"id":779,"date":"2024-01-08T11:59:46","date_gmt":"2024-01-08T11:59:46","guid":{"rendered":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/?p=779"},"modified":"2024-07-25T16:56:14","modified_gmt":"2024-07-25T16:56:14","slug":"rosa-elefanten-und-der-perfekte-plan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/2024\/01\/08\/rosa-elefanten-und-der-perfekte-plan\/","title":{"rendered":"Rosa Elefanten und der perfekte Plan"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Jahr beginnt besonders. Ein Interview f\u00e4llt mir quasi fix und fertig in den Scho\u00df. Charlotte Pittner berichtet f\u00fcr <a href=\"https:\/\/einlebenbeginnt.de\/\">EinLebenBeginnt.de<\/a> dar\u00fcber, warum sie sich dazu entschieden hatte, ein totes Kind nat\u00fcrlich zu geb\u00e4ren. <\/p>\n\n\n\n<p>Und dabei spricht sie ganz offen \u00fcber eigene \u00c4ngste und Motive, das anfangs eher entr\u00fcstete Umfeld und die heilende Wirkung nachdem sich die Gespr\u00e4che \u00f6ffneten, wie das Tr\u00f6sten wirkte, die Zwischenmenschlichkeit anfing zu wirken. Was sich in ihrer Geschichte als heilendes Ventil offenbarte, ist aber auch nicht Jederfrau&#8217;s Veranlagung. Und es gibt viele Gr\u00fcnde warum wir Schweigen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><strong>Gesellschaftlich haben wir zu wenige Formatvorlagen.&nbsp;Viele haben keinen Bock<br>\u201cdas Beispiel\u201d zu sein.&nbsp;<\/strong><\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8220;Was machen wir mit Eltern, deren Kinder gestorben sind? Da haben wir wenig Ideen, wie wir gesellschaftlich damit umgehen&#8221;, stellt Charlotte fest. Wir w\u00fcrden davon profitieren, wenn sich Blaupausen f\u00fcr den Umgang weiter etablierten. Wenn eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit dar\u00fcber zu sprechen auf anderen Beinen stehen w\u00fcrde. \u00c4hnlich wie bei Scheidungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfere Angst entspringt dabei der Annahme, dass das Umfeld urteilen k\u00f6nnte. Und die daraus resultierende Angst &#8220;nicht richtig&#8221; zu sein, dass die Natur hier einen &#8220;Fehler&#8221; zeigt, der vom Unverm\u00f6gen ein gesundes Kind zur Welt zu bringen herr\u00fchren k\u00f6nnte. Hinzu kommt, die stumme Reflexion durch das Gegen\u00fcber: &#8220;Jetzt erproben die anderen an mir, was man macht, wenn eine pl\u00f6tzlich wiederkommt und es ist kein Baby mehr da. Die kucken dich voll mitleidig an. Das ist nicht nur einfach, das auszuhalten. Das Fragezeichen, das Tabu.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><strong>Du siehst den anderen an, dass sie den Rosa Elefanten sehen: \u201cDas ist die eine, die ist jetzt nicht mehr schwanger &#8230; Mit der stimmt was nicht.\u201d<\/strong><\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Ge\u00fcbt als Sozialp\u00e4dagogin bringt sie es mehrfach auf den Punkt, wie der gesellschaftliche Tenor tickt: &#8220;Nur wenn das Kind nach 9 Monaten normal auf die Welt kommt, war ich RICHTIG. Alles was dem nicht entspricht, hat was mit \u201cIch bin falsch zu tun\u201d. Falsch ern\u00e4hrt, falsch verhalten, ich hab nicht die richtigne Gene, oder whatever. Jetzt sehen alle, wie falsch ich bin.&#8221; <\/p>\n\n\n\n<p>Und dabei k\u00f6nnten die Perspektiven sehr leicht in ein positives und konstruktives Licht blicken. Denn die Frage nach korrekter Leistung eines K\u00f6rpers, ist hier mehr als unangebracht, am Ende gar destruktiv f\u00fcr den Verarbeitungsprozess. Alleine die Begrifflichkeit der &#8220;Fehlgeburt&#8221; ist hier mitverantwortlich f\u00fcr ein Gef\u00fchl des Versagens. Pittner konstatiert, dass im Sinne eines evolution\u00e4ren Programms <span style=\"text-decoration: underline;\">nichts<\/span> schief gelaufen ist. Die Natur hat ganz richtig gehandelt. Der Embryo ist dieses Mal nicht lebensf\u00e4hig, der K\u00f6rper habe sich dazu entschlossen, ihn fr\u00fchzeitig abzusto\u00dfen. \u2013\u00a0Eine &#8220;Fr\u00fchgeburt&#8221;. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><strong>Das ist nicht so in unserem perfekten Plan von \u201cWie Menschheit zu sein h\u00e4tte\u201d drin. Und damit konfrontieren wir uns, wenn wir als Frauen, die keine lebenden Kinder geb\u00e4ren, damit reingehen in die Gesellschaft. Und das will nicht jede:r. Und das ist auch sowas wie \u201csch\u00fctzen\u201d.&nbsp;<\/strong><\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Trotz vieler Hinweise, wie ein offener Umgang aussehen k\u00f6nnte, bleibt Charlotte vers\u00f6hnlich mit unseren verkorksten Blaupausen. Denn es darf viele Wege geben. Nur dort, wo die hart eingeb\u00fcrgerten Muster sch\u00e4dlich werden, kann ein Aufl\u00f6sen zum N\u00e4hrboden f\u00fchren. <br><br>Und auch nach ihrer zweiten Fr\u00fchgeburt w\u00e4re sie bereit daf\u00fcr, erneut einer &#8220;kurzen Seele&#8221; eine Heimat zu geben, erkl\u00e4rt sie zus\u00e4tzlich. F\u00fcr sie ist und bleibt es ein nat\u00fcrlicher Prozess, der mit all seinen Makeln zum Konstrukt &#8220;Mensch&#8221; dazugeh\u00f6ren darf und auch als solches gehandelt werden soll. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><strong><strong>Ich glaub, mein K\u00f6rper ist wirklich in der Lage<\/strong>,<strong> mir ein Baby zu kredenzen, wenn er eins haben will. Und mein K\u00f6rper ist auch in der Lage mir <em>kein<\/em> Baby zu kredenzen, wenn er eins <em>nicht<\/em> haben will. \u2013 Ich habe genug Sex, um eins zu erzeugen, wenn\u2019s w\u00e4r. (lacht)<\/strong><\/strong><\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Und dabei erkennt sie, wie stark Beziehungen sein k\u00f6nnen. Dass hinter dem \u201cDie anderen sehen, dass ich leide\u201d auch steht \u201cIch darf eine heilsame Gemeinschaft erfahren\u201d. Wenn wir durch das Schweigen durchgehen, dass da ganz viel Liebe wartet. Dass es sch\u00f6n ist, in den Arm genommen zu werden. Dass man dankbar daf\u00fcr ist, erlebt haben zu d\u00fcrfen, dass Menschen \u00fcber den Bauch streicheln und sagen &#8220;Mach&#8217;s gut W\u00fcrmchen&#8221;. <\/p>\n\n\n\n<p>Sich in dieser Phase auch mehr und mehr mit Menschen auszutauschen, die \u00c4hnliches erlebt haben, diesen Austausch als wohltuend zu erleben \u2013\u00a0und sich nur allzuoft mit sonst Wildfremden auf dieser Ebene zu &#8220;verschwestern&#8221;, ist ein Ph\u00e4nomen, auf das sie dankbar zur\u00fcckblickt.  All das erz\u00e4hlt Charlotte Pittner mit funkelnden Augen und l\u00e4sst sp\u00fcren, wieviel Potential die Situation bergen kann, sofern man sie zul\u00e4sst. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Screenshot-2024-01-08-at-12.54.38-1024x576.png\" alt=\"Charlotte Pittner, &quot;Warum ich mich entschieden habe ein totes Kind nat\u00fcrlich zu geb\u00e4ren\u201d. www.heilwissen.net\" class=\"wp-image-787\" srcset=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Screenshot-2024-01-08-at-12.54.38-1024x576.png 1024w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Screenshot-2024-01-08-at-12.54.38-300x169.png 300w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Screenshot-2024-01-08-at-12.54.38-768x432.png 768w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Screenshot-2024-01-08-at-12.54.38-1536x864.png 1536w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Screenshot-2024-01-08-at-12.54.38-2048x1152.png 2048w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Screenshot-2024-01-08-at-12.54.38-1920x1080.png 1920w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Screenshot-2024-01-08-at-12.54.38-720x405.png 720w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Screenshot-2024-01-08-at-12.54.38-580x326.png 580w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Screenshot-2024-01-08-at-12.54.38-320x180.png 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Sie verabschiedet sich mit den Worten: &#8220;Ich lade aber auch grunds\u00e4tzlich Leute ein &#8230; Menschen in Beratung und in Gespr\u00e4chen, aber einfach auch im Privaten mit ihren Freunden und Freundinnen, aber auch in der Familie dar\u00fcber zu sprechen. Ich fand, das war so sch\u00f6n f\u00fcr mich zu erfahren, wieviel Menschen um uns sind, die \u00e4hnliche Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben. Wo ich denke, einfach raus damit \u2013 \u00fcberwindet eure Scham, die \u2013\u00a0braucht\u2019s nicht, w\u00e4r jetzt falsch gesagt \u2013\u00a0aber, es ist es wert, da durch zu gehen. F\u00fcr mich zumindest, war\u2019s das jedenfalls.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Quelle: &#8220;Warum ich mich entschieden habe ein totes Kind nat\u00fcrlich zu geb\u00e4ren\u201d. Interview mit Charlotte Pittner. Aus der Serie &#8220;Ein Leben beginnt &#8211; Reisebegleitung f\u00fcr Schwangerschaft, Geburt und dar\u00fcber hinaus.&#8221;.  <br><br>Weiterf\u00fchrende Links:  <a href=\"https:\/\/heilwissen.net\/\">www.heilwissen.net<\/a> und <a href=\"https:\/\/einlebenbeginnt.de\/\">www.einlebenbeginnt.de<\/a><br><br>Mit gr\u00f6\u00dftem Dank an Philipp Bruckschl\u00f6gl und Agnieszka Wellenger (!)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr beginnt besonders. Ein Interview f\u00e4llt mir quasi fix und fertig in den Scho\u00df. Charlotte Pittner berichtet f\u00fcr EinLebenBeginnt.de dar\u00fcber, warum sie sich dazu entschieden hatte, ein totes Kind nat\u00fcrlich zu geb\u00e4ren. 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