{"id":557,"date":"2023-12-06T16:19:32","date_gmt":"2023-12-06T16:19:32","guid":{"rendered":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/?p=557"},"modified":"2025-03-28T07:44:28","modified_gmt":"2025-03-28T07:44:28","slug":"gondry-recht-nackt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/2023\/12\/06\/gondry-recht-nackt\/","title":{"rendered":"Gondry recht nackt"},"content":{"rendered":"\n<p>Ziemlich zuf\u00e4llig stolpere ich beim Testen der Video-Funktion dieses Blogs auf dieses Musikvideo. Der Track dazu kam mir schon vor Jahren in die Playlist, obwohl kaum Fan der White Stripes, zumal ich glaubte, sie w\u00e4ren ein One-Hit-Wonder gewesen. Obendrein dann noch der Regisseur in den Credits: Michel Gondry. Eine Ikone und Vorbild aus Studienzeiten. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"The White Stripes - City Lights (Official Music Video)\" width=\"720\" height=\"405\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/7Osqnf_0jkk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Es scheint als w\u00e4re dieser Autor von vielen gefinkelten Musikvideos und dadurch ber\u00fchmt gewordene K\u00fcnstler in seinen \u00e4lteren Tagen nicht weniger kreativ, aber bescheidener geworden. Keine gigantischen Firlefanze, keine zig Leute, die aufw\u00e4ndig verspielte Sets bauen, in allen Genres beleuchten, \u00fcbertrieben geniale Effekte durchplanen, nur um dann f\u00fcr 3 Minuten ein &#8220;Oh&#8221; oder &#8220;Wow&#8221; zu kreieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Die heutige Optik erzeugt ein Momentum von Intimit\u00e4t und Verg\u00e4nglichkeit, l\u00f6st dabei die Z\u00fcgel des kommerziellen Perfektionismus, l\u00e4sst Freiheitsgef\u00fchl und Lockerheit zu. Alles Stimmungen, die in den letzten Jahren zur Mangelware verk\u00fcmmert sind. Auch eine Stimmung, die der Band h\u00f6chstwahrscheinlich sehr nahe liegt, der musikalischen Komposition zutr\u00e4gt, ein Gef\u00fchl von Identit\u00e4t und Lebensphilosophie stiftet. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Visuelle vision<\/h2>\n\n\n\n<p>Es erstaunt mich etwas, dass sich bei Projekt Lina bislang keine konkrete Vorstellung vom visuellen Ansatz herauskristallisiert hat. Ja, es gab schon die ein oder andere Idee, das Verlangen nach einer Kl\u00e4rung dessen, sprich Ausprobieren oder Recherchieren. Aber der Drang, dass dieser Test bereits passiert w\u00e4re, oblag meistens der Gesch\u00e4ftigkeit anderer Dinge oder war nicht wichtig genug, um im Vordergrund den wirklichen Fokus zu ziehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Und da kommt die Vermutung beziehungsweise das Vertrauen ins Spiel, dass die Menschen den Ton angeben werden. Die Sammlung der Interviews, der Anekdoten und Impressionen daraus die Richtung vorgeben werden. Zum aktuellen Zeitpunkt w\u00e4re jeder visuelle Vorgriff eine reine Spekulation eigener Reaktionen darauf. W\u00fcrde als Konstruktion einen fahlen Geschmack erzeugen, als Vermutung final wom\u00f6glich nur entarten, da die Basis fehlen w\u00fcrde. Darum derzeit lieber komplett offen, fern jeder Erwartungshaltung und bereit f\u00fcr Experimente.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rote sonne<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Musikvideo aus dem letzten Sommer dient mir da als eigenartiger Anker f\u00fcr diese Sicherheit. Denn ziemlich oft l\u00e4sst sich bei nahestehenden Kulturschaffenden beobachten, dass sie ihre Arbeit dazu nutzen, um autotherapeutische Effekte zu erzielen. Sei es die Bearbeitung eigener Themen oder das Verweben dessen mit gesellschaftlichen Trends. Nat\u00fcrlich glitzert es oft erst durch, wenn man die Person und ihre Geschichte genauer kennt. Der Leerraum zwischen den Zeilen tritt dadurch zu Tage, beginnt zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"524\" src=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RoteSonne-1024x524.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-575\" srcset=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RoteSonne-1024x524.jpg 1024w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RoteSonne-300x154.jpg 300w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RoteSonne-768x393.jpg 768w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RoteSonne-1536x786.jpg 1536w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RoteSonne-2048x1048.jpg 2048w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RoteSonne-1920x983.jpg 1920w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RoteSonne-720x369.jpg 720w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RoteSonne-580x297.jpg 580w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/RoteSonne-320x164.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Absurderweise kann man sowas auch bei eigenen Arbeiten beobachten. Mit dem Freibrief ein Musikvideo mit Mitteln meiner spontanen Wahl zu gestalten, entstand nebst 5 Minuten surrealer Bildkompositionen obiges Still. Der Ansatz: ein entarteter Albtraum paralleler Momentaufnahmen von Tatsachen und Erinnerungen mittels eines auf Sound und Zeit automatisierten Skripts in After Effects. Was aufgeblasen klingt und auf metaphorischer Ebene durchaus greift.<\/p>\n\n\n\n<p>Was neben technischer Verspieltheit blieb, ist das Resultat eines \u00e4u\u00dferst intuitiven Schaffensprozesses. Oft nur ein Dialog mit den verf\u00fcgbaren Mitteln, den Darstellern, dem Gegenst\u00e4ndlichen und dem visuellen Feedback im Schnitt, das sich konkreter Grammatik oberfl\u00e4chlich ann\u00e4hert, aber \u00fcberwiegend emotionalem Vokabular und Ausdruck bedient. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinner mich genau an den Moment nach dem f\u00fcnften Rendern, als ich festzustellen glaubte, dass sich der Sinn der Narration nun schlu\u00dfendlich offenbart h\u00e4tte. Und dabei war es unn\u00f6tig, den Sinn darin zu suchen. Die einzelnen Einstellungen sprachen f\u00fcr sich, als fragmentierte Sprachrohre f\u00fcr mein eigenes Unterbewusstsein und den zum Zeitpunkt des Drehs bestehenden Eindr\u00fccke, die einfach nur verarbeitet werden wollten. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Im nachhinein<\/h2>\n\n\n\n<p>Damals als Zeuge eines Beziehungsdramas mit schwieriger Schwangerschaft, heute f\u00fcr mich ganz klar lesbar, erzeugte die intuitive Arbeit am Musikvideo Bilder von Schmerz und Distanz, mit dunkler Lichtsetzung und obskuren Bewegungen, im Zwielicht zaghafter Emotion, einem unsichtbaren Aggressor ausgeliefert, einer Schockstarre des Verlustes. <\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen davon, dass das Werk von der Band am Ende abgelehnt und nie verwendet wurde. scheint es mir, dass einen derartigen Flow passieren zu lassen und gestalterisch freizulegen, zum eigentlichen Kunstgriff z\u00e4hlt. Verbunden mit einem bedingungslosen Vertrauen zur eigenen inneren Welt, den Schattierungen der subtileren Schichten, als B\u00fchne und freies Ventil. Ein Zustand, den wieder zu besuchen, es sich lohnen k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ziemlich zuf\u00e4llig stolpere ich beim Testen der Video-Funktion dieses Blogs auf dieses Musikvideo. Der Track dazu kam mir schon vor Jahren in die Playlist, obwohl kaum Fan der White Stripes, zumal ich glaubte, sie w\u00e4ren ein One-Hit-Wonder gewesen. Obendrein dann noch der Regisseur in den Credits: Michel Gondry. Eine Ikone und Vorbild aus Studienzeiten. 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