{"id":2091,"date":"2025-12-01T10:19:09","date_gmt":"2025-12-01T10:19:09","guid":{"rendered":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/?p=2091"},"modified":"2025-12-01T10:19:36","modified_gmt":"2025-12-01T10:19:36","slug":"metamorphosis-strobl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/2025\/12\/01\/metamorphosis-strobl\/","title":{"rendered":"Metamorphosis Strobl"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein sonniger Nachmittag und die bereits versammelte Traube beschlie\u00dft noch einen gemeinsamen Spaziergang zu machen, bevor es losgeht. Ich bereite die Projektion vor, h\u00e4nge die Leinwand zwischen zwei rollbaren Trennw\u00e4nden und bereite die Sitzgelegenheiten am Boden vor. Mit Yogamatten und Polstern. Maria arrangiert die Instrumente und wir platzieren St\u00fchle im hinteren Bereich. <\/p>\n\n\n\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.aigenraum.at\/\">Aigenraum<\/a>  wird vielf\u00e4ltig genutzt. Neben vereinsinternen Veranstaltungen und Workshops aller Art, wird hier Musik aufgef\u00fchrt oder produziert, es proben Theatergruppen oder es passieren Filmaufnahmen. Heute findet eine gesonderte Reflexion zum Thema Sternenkinder statt. Den Termin daf\u00fcr haben wir lange gesucht und verschoben. Es h\u00e4tte eigentlich schon im Sommer stattfinden sollen. Umso mehr stieg die Spannung und das Interesse auf den heutigen Tag. Es erscheinen weitere Personen aus verschiedenen Ecken Ober\u00f6sterreichs, dem Mostviertel und Salzburg. Der Eingangsbereich f\u00fcllt sich und die Gespr\u00e4che erh\u00f6hen den Ger\u00e4uschpegel im Raum. Es ist Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp hilft mir noch beim Einrichten der Tonanlage, die wider Erwartens ihre T\u00fccken pr\u00e4sentiert. Und ich knie mich vor die Leinwand und blicke in die erwartungsvollen und durchwegs bekannten Gesichter. Auch eine Hand voll Kinder ist anwesend. Die Einleitung soll den Kontext liefern, Dankbarkeit und Respekt aussprechen. Denn es sind auch Betroffene und beteiligte Stimmen aus dem Film anwesend. Ich erkenne so manches Nicken und Glitzern im Halbdunkel des Raumes. Ich lasse die Filmdatei starten und verlasse das Sichtfeld.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kenne manche Schicksale der anwesenden Menschen und beobachte im Augenwinkel deren Reaktionen. Erkenne aber nur gebanntes Lauschen und Zusehen. Der Strom der Erz\u00e4hlung entfaltet seinen Sog. Es ist mucksm\u00e4uschenstill. Auch bei den Kindern. Nach der Vorstellung gesteht mir eine Siebenj\u00e4hrige, dass sie den Film komisch gefunden hat. Im Trailer hat man so eine Figur gesehen, die war sch\u00f6n. Aber der Rest scheint sie weniger erreicht zu haben. Die Mutter erg\u00e4nzt und zwinkert mir zu.  <\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende der Vorf\u00fchrung legt sich eine besondere Stille \u00fcber die Menschen. Der Blick bleibt auf der schwarzen Leinwand und ich f\u00fchle mich beordert, einen Abschluss zu bilden. Erneute setze ich mich auf den Boden und lasse den Blick lange schweifen. Nur der teils schwere Atem ist h\u00f6rbar und ich finde nach einer angemessenen Weile den Einsatz zur Ank\u00fcndigung einer kleinen Pause, bevor wir in den Redekreis \u00fcbergehen. Die Kerze vor dem Projektor bilde schon die Mitte daf\u00fcr und der Umbau beginnt. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde den Weg nach drau\u00dfen und verabschiede mich von einem Freund, der leider schon heim muss. Auch Sonja Zobels Zeitfenster ist knapp bemessen, wo doch der Partner schon zuhause mit Kind warte. Lange habe sie auf eine Gelegenheit gehofft, den Film sehen zu k\u00f6nnen. Ihr Feedback ist wertvoll und \u00e4u\u00dferst lobend. Als Kulturschaffende erkennt sie die Intentionen und Macharten der Produktion. Sieht die Vielfalt und den Querschnitt, der in seiner Knappheit auch einen Tiefgang findet. Sie kennt ja das Archiv und die Hintergr\u00fcnde. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und w\u00fcnschen sch\u00f6ne Gr\u00fc\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"679\" src=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-3-1024x679.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2092\" srcset=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-3-1024x679.jpeg 1024w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-3-300x199.jpeg 300w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-3-768x509.jpeg 768w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-3-1536x1018.jpeg 1536w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-3-2048x1357.jpeg 2048w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-3-1920x1272.jpeg 1920w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-3-720x477.jpeg 720w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-3-580x384.jpeg 580w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-3-320x212.jpeg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei meiner R\u00fcckkehr warten schon viele im Redekreis und schweigen. Und schaffen somit die Atmosph\u00e4re f\u00fcr ein wertfreies Zuh\u00f6ren, bis tats\u00e4chliche Stille einkehrt. Nach einer Weile erreicht mich der Blick von Maria und ich greife nach einem Holzst\u00fcck aus der Mitte des mittlerweile mit Kerzen und Objekten geschm\u00fcckten Mittelpunkt des Kreises. Ich bedanke mich f\u00fcr die zahlreiche Anteilnahme und schildere meine emotionalen Eckpunkte auf dem Weg zur Erstellung des Films. Die \u00c4ngste, die mich erreichten, als Nico zu Franka schwanger wurde. Das Kopfkino und die damit einhergehende Erleichterung, als dann alles gut lief. Ich erinnere mich noch genau an die erste Dusche nach der Geburt, wo der Schwall des Wassers kaum von den eigenen Tr\u00e4nen zu unterscheiden war. <\/p>\n\n\n\n<p>Und die Anekdoten der Anwesenden fangen an in die Mitte zu tr\u00f6pfeln. Maria ist als Tochter einer siebenfachen Sternenmutter besonders betroffen und sch\u00fcttet ihr Herz aus. Wei\u00df, dass heute kommen darf, was raus muss und versucht zu formulieren, was viel zu lange unter dem Schweigen vergraben bleiben musste. Zumindest in der Vergangenheit. Ich kenne die Geschichte nat\u00fcrlich vom Interview mit ihrer Mutter und wei\u00df, dass ein besonders verkappter Umgang auch seitens der Familie und er l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Kirche praktiziert wurde. Umso mehr freut es mich, dass bereits viele Schritte geschehen sind, die zum Abtragen dieser Mauern beigetragen haben. Heute br\u00f6ckelt es erneut. <\/p>\n\n\n\n<p>Viele ergreifen das Wort und st\u00fclpen teilweise zum ersten Mal ihr Inneres zu diesem Thema nach au\u00dfen. Denn hier ist ein besonderer Rahmen gegeben, welcher so mancherorts vermisst wird. Ein Raum des bedingungslosen Zuh\u00f6rens, der wertfreien Begegnung ohne Pflicht zur Reaktion oder Interaktion. Jegliche Emotion darf sich entfalten und wird somit befreit von ihrer Verkrustung. So sprengen wir so manche Blockade, die uns andernorts offensichtlich antrainiert wurde. Ich vergleiche die Situation mit dem Bild eines Flussbetts, das im Durchschwemmtwerden eine stets steigende Stabilit\u00e4t erf\u00e4hrt und ziehe damit einen Bogen zur David Weichenbergers Aussage der neuen Superkraft, die er im Umgang mit Trauer erlernt hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"700\" src=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-1-1024x700.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2093\" srcset=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-1-1024x700.jpeg 1024w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-1-300x205.jpeg 300w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-1-768x525.jpeg 768w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-1-1536x1051.jpeg 1536w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-1-2048x1401.jpeg 2048w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-1-1920x1313.jpeg 1920w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-1-720x493.jpeg 720w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-1-580x397.jpeg 580w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/251130_Metamorphosis-1-320x219.jpeg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>In manchen Momenten inspirieren Gedanken Anderer zur Weiterf\u00fchrung und Erg\u00e4nzung. Und so wird die Dualit\u00e4t von Tod und Leben zu einem wiederkehrenden Element im Monologisieren. Irgendwo zwischen intellektueller Greifbarkeit und dessen emotionaler Unm\u00f6glichkeit glauben wir zu erkennen, dass der kategorischen Trennung zwischen Mensch und Natur ein Irrtum zu Grunde liegt. Vielmehr sp\u00fcren manche die Verbindung zu einem  gemeinsamen Nenner und die Runde reichert sich mit \u00e4u\u00dfert wertvollen Perspektiven an. Auch betreten heitere Gedanken den Diskurs und erhellen mit frischer und leichtf\u00fc\u00dfigen Ideen. Denn der Gedanke der Wiedergeburt und die Idee einer holistischen Verbindung der Seelenwelt, l\u00e4sst ein Schmunzeln entstehen. Denn es k\u00f6nnte ja auch sein, dass all die heutigen Gedanken durch eine direkte Verbindung zu den Sternenkindern in unsere K\u00f6pfe gewandert sind. Dass es heute <em>ihre<\/em> W\u00fcnsche und <em>ihre<\/em> Stimmen sind, die uns die Kraft dazu geben, Dinge auszusprechen. Und wenn dem so w\u00e4re, wir einer l\u00fcckenlosen Querverbindung unterliegen und uns somit die Heilung per se innewohnt. Man m\u00fcsse nur die Perspektive zulassen, um dessen Wirkung erlebbar zu machen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ab diesem Zeitpunkt weicht meine Betroffenheit einem Gef\u00fchl von Mut und Kraft. Es f\u00fcllt meinen Brustraum. Mit sicherer Stimme finde ich Worte zur manchen Bildern des Films und erkenne, dass die heutige kollektive Katharsis gerade wegen des andauerndes Schneuzens und der vielen Tr\u00e4nen einen unglaublich wertvollen Nachhall erzeugen wird. Dass auch Humor seinen Platz findet und die Stimmung in Wohlbefinden und Aufgehobensein m\u00fcnden wird. Viele liegen schon \u00fcber den Flipchart-Seiten und malen an gemeinsamen Bildern. Finden den Ausdruck im Zeichnen und sp\u00e4teren Musizieren. Denn wir beenden den Kreis und gehen in den offeneren Abend \u00fcber, der sehr wohl tut und wieder frei atmen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ausklang bietet Gelegenheit zum konkreteren Austausch, f\u00fcr Feedback und Plauderei. Um so den Weg in die \u00e4u\u00dfere Welt zu ebnen. Denn das heute Besprochene und Erlebte darf sich integrieren und hinausgetragen werden. Die hier Anwesenden waren sich ohnehin schon im Vorhinein dar\u00fcber einig, dass die Thematik einer unbedingten Aufarbeitung bedarf und im direkten Gespr\u00e4ch zu suchen ist. Ein wahrhaftige Wonne und ein gro\u00dfes Gl\u00fcck hier und heute Zeuge dieses Kreises gewesen zu sein. Vielen, vielen Dank.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-code\"><code>Verein Metamorphosis - <a href=\"https:\/\/www.metamorphosis.or.at\/\">www.metamorphosis.or.at<\/a>\nAigenraum Strobl - <a href=\"https:\/\/www.aigenraum.at\/\">www.aigenraum.at<\/a><\/code><\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sonniger Nachmittag und die bereits versammelte Traube beschlie\u00dft noch einen gemeinsamen Spaziergang zu machen, bevor es losgeht. Ich bereite die Projektion vor, h\u00e4nge die Leinwand zwischen zwei rollbaren Trennw\u00e4nden und bereite die Sitzgelegenheiten am Boden vor. Mit Yogamatten und Polstern. Maria arrangiert die Instrumente und wir platzieren St\u00fchle im hinteren Bereich. 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