{"id":2015,"date":"2025-11-02T13:25:44","date_gmt":"2025-11-02T13:25:44","guid":{"rendered":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/?p=2015"},"modified":"2025-11-02T20:24:44","modified_gmt":"2025-11-02T20:24:44","slug":"dok-leipzig-deutschland-premiere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/2025\/11\/02\/dok-leipzig-deutschland-premiere\/","title":{"rendered":"DOK Leipzig Deutschland Premiere"},"content":{"rendered":"\n<p>Schon l\u00e4nger w\u00e4hrt sie an, die Vorfreude auf das kommende verl\u00e4ngerte Wochenende. Schon beim Einreichen k\u00f6dert der Titel <em>Internationales Leipziger Festival f\u00fcr Dokumentar- und Animationsfilm<\/em>. Wo, wenn nicht dort? Erst sp\u00e4ter begreife ich, dass dieses <em>Dort<\/em> eine der obersten Adressen f\u00fcr den internationalen Dokumentarfilm ist. Das Duett mit dem Animationsfilm \u00f6ffnet einen weiteren Zugang f\u00fcr das <em>Sehen Was Ist<\/em> \u2013 wie es ein Banner in der Altstadt so sch\u00f6n bezeichnet. Und das vereint die Kurz-, wie die Langfilme im Programm, egal ob real oder animiert. Wobei Letztere sich hier offensichtlich auch f\u00fcr das Rennen der <em>Academy Awards<\/em> qualifizieren k\u00f6nnen, sofern am Ende die Goldene Taube das will. Kollegen klopfen mir im Vorfeld auf die Schulter, w\u00fcnschen und versprechen ein tolles Festival.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"333\" src=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_10_cropped-1024x333.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2025\" srcset=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_10_cropped-1024x333.jpeg 1024w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_10_cropped-300x97.jpeg 300w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_10_cropped-768x250.jpeg 768w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_10_cropped-1536x499.jpeg 1536w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_10_cropped-2048x665.jpeg 2048w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_10_cropped-1920x624.jpeg 1920w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_10_cropped-720x234.jpeg 720w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_10_cropped-580x188.jpeg 580w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_10_cropped-320x104.jpeg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Einladung und den Emails folgend, finde ich mein Hotel, das mich gleicherma\u00dfen irritiert, wie wundern l\u00e4sst. Der Check-In via Smartphone, keine Rezeption im klassischen Sinn. Eine offene Wohnzimmer-Lobby, ein Billardtisch, der Flat-Screen mit Playstation, eine mit Halloween-K\u00fcrbissen geschm\u00fcckte K\u00fcchenzeile samt Bar und Touchscreen-Kaffeemaschine. Jede T\u00fcr des Hauses kann mit der Webapplikation entsperrt werden. Vom Nachteingang bis zur Panorama Bibliothek im siebten Stock. Was einige Male dazu f\u00fchrt, dass man mit anderen G\u00e4sten am Haupteingang zusammentrifft, die auch nach der einen, wichtigen Email suchen, die den Link zum Portal enth\u00e4lt. Und endlich, ja: der Sesam \u00f6ffnet sich. <br><br>Die Webseite des Festivals ist sauber strukturiert, der Kalender prall mit Screenings, Ausstellungen und Industry Events. Aufgrund meiner sp\u00e4teren Anreise schaffe ich nur eines der vier Screenings, wo <em>Lina<\/em> gezeigt wird. Beim Guest Office erhalte ich die dazugeh\u00f6rige Eintrittskarte, die bereits auf den Akkreditierungsausweis geheftet wurde. &#8220;Welcome. Enjoy the festival.&#8221; Zwei Stunden sp\u00e4ter sitze ich schon im <em>CineStar Megaplex<\/em> und sehe bereits den ersten Dokumentarfilm <em><a href=\"https:\/\/www.dok-leipzig.de\/film\/welded-together\/programm\">Welded Together<\/a><\/em> (Anastasiya Miroshnichenko, FR\/NL\/BE 2025), Ganz nah begleitet der Film eine zwanzigj\u00e4hrige Schwei\u00dferin in Belarus, die beschlie\u00dft den Kontakt zu ihrer Mutter wiederherzustellen. Eine Zerrei\u00dfprobe zwischen ihrer eigenen Kindheit im Waisenhaus und der Entscheidung, die zweij\u00e4hrige Halbschwester aus dem Sumpf des Alkoholkonsums ihrer Mutter zu befreien. <\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter am Abend folgt <em><a href=\"https:\/\/www.dok-leipzig.de\/film\/woman-who-poked-leopard\/programm\">The Woman Who Poked the Leopard<\/a><\/em> (Patience Nitumwesiga, Uganda 2025). Die Politdoku beginnt mit einem Gedicht der Protagonistin <em>Stille Nyanzi<\/em>, die dem scheindemokratischen Pr\u00e4sidenten des Landes zum Geburtstag provoziert. Er h\u00e4tte doch lieber im Scheidenpilz seiner geb\u00e4renden Mutter ersticken sollen, als die elementaren Menschenrechte und die Verfassung seit vierzig Jahren zu vergewaltigen. So nur ein Vers der brachialen Abrechnung, die ihr einen neunmonatigen Gef\u00e4ngnisaufenthalt einbrockte. Als Mutter dreier Kinder und Universit\u00e4tsprofessorin besitzt <em>Nyanzi<\/em> die Sprachfertigkeit in manipulierten TV-Interviews, Hausbesetzungen und Polizeiuntersuchungen die Menschen zu ermutigen, zu aktivieren und Haltung und Stolz zu bewahren, Eine Kraft, die aus dem N\u00e4heverh\u00e4ltnis von privaten und bedr\u00e4ngenden Szenen, zum Schaudern und Schmunzeln bewegt. So hochkar\u00e4tig die Umsetzung, so tats\u00e4chlich die Dringlichkeit, so unversch\u00e4mt die Scheinheiligkeit des totalit\u00e4ren Regimes. Die Regisseurin ist anwesend und schildert die Dreharbeiten, den Weg zum Vertrauen der Kinder, die Brisanz, das Filmmaterial immer wieder durch Kuriere aus dem Land schicken zu m\u00fcssen. \u2013\u00a0Beim Q&#8217;n&#8217;A m\u00f6chte es eine Frau aus Brasilien etwas genauer wissen. Sie kenne \u00e4hnliche Szenarien aus ihrer Heimat und hier in Deutschland sind wir uns ja einig. Aber wie m\u00f6chte man den Film und diese Sichtweisen in Uganda an die Menschen bringen? \u2013 Die Regisseurin gesteht, dass sie derzeit selbst in Europa Schutz gesucht hat, aber es werde bereits an Underground Screenings gearbeitet. Es wird h\u00f6chstwahrscheinlich nicht leicht werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_1-1024x576.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2018\" srcset=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_1-1024x576.jpeg 1024w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_1-300x169.jpeg 300w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_1-768x432.jpeg 768w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_1-1536x864.jpeg 1536w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_1-2048x1152.jpeg 2048w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_1-1920x1080.jpeg 1920w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_1-720x405.jpeg 720w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_1-580x326.jpeg 580w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DOKLeipzig_Lina_1-320x180.jpeg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens jetzt wird mir bewusst, in welch hochkar\u00e4tiger Gesellschaft sich <em>Lina<\/em> hier in Leipzig befindet. Und die bereits reservierten Filme werden das Niveau halten. Am Tag darauf folgt das bereits erz\u00e4hlte <a href=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/2025\/10\/31\/dok-spotters-interview\/\">Interview mit den DOK Spotters<\/a>, um f\u00fcnfzehn Uhr dann die Kurzfilmrolle <em><a href=\"https:\/\/www.dok-leipzig.de\/composition\/zusammen-sind-wir-weniger-allein\">Zusammen sind wir weniger allein<\/a><\/em>, wo <em>Lina<\/em> in Gesellschaft mehrerer gemischter Arbeiten ganz am Ende platziert ist. Eine gro\u00dfartige Entscheidung in der Programmierung. Eingangs nehme ich, wie gew\u00fcnscht, Kontakt zur Saalregie auf, um mit der Moderation bekannt zu werden. Wir schlie\u00dfen uns kurz. Drei der sechs Filmemacher:innen sind anwesend. Wir sprechen jeweils direkt nach jedem Film. Alles klar. \u2013\u00a0Das Programm ist wieder vielschichtig, politisch aufw\u00fchlend, sowie poetisch und gespickt mit spannenden Kunstgriffen in Narration und Darstellung. Die Spannung steigt, als die mir bekannte Musik von Clemens startet. Die Projektion ist gestochen scharf, der Ton genau am richtigen Level auf ausgezeichneten Lautsprechern. Ich sp\u00fcre die Sitznachbarn atmen, sich die Augen wischen oder gar mal summend bejahen, Sie sind alle dabei. Der gesamte Saal ist ausverkauft. Sicher einige hundert Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Marie Ketzscher<\/em> bittet mich nach vor und steht mir mit glasigen Augen gegen\u00fcber. Sie bittet mich, die Herangehensweise zu schildern. Wie es zu dem Film kam und wie er sich entwickelt habe. Ich folge dem Vorbild einer Vorrednerin und wechsle auf Englisch. Nach anf\u00e4nglichem Stammeln und dem Gest\u00e4ndnis, dass es mir selbst grad schwer f\u00e4llt, mich zu sammeln, fangen die richtigen Worte zu sprudeln an. Oft nickt ein Gesicht im Publikum, mache h\u00f6ren gebannt zu oder sind in Gedanken versunken. Es wird gelobt, dass die Bildsprache so taktvoll gew\u00e4hlt ist und man m\u00f6chte wissen, wie die Bild-Ton-Beziehung entstand, was zuerst da war. Und ich sp\u00fcre die Animator:innen im Raum, die mir stillschweigend zustimmen:&#8221;Even though there were some later shifts in the editing, sound is part of the process from the very beginning.&#8221; \u2013\u00a0Speziell in diesem Kontext, wo doch die Aussagen der Betroffenen das Narrativ vorantreiben. Diesen Wiederum gilt die gr\u00f6\u00dfte Hochachtung, denn ihre ehrlichen und nahbaren Aussagen erzeugen die Gewichtigkeit des Films und erz\u00e4hlen, wovon man die Bandbreite selten zu h\u00f6ren bekommt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"578\" src=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rauscher-LINA-Stills-EN-7-1024x578.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2019\" srcset=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rauscher-LINA-Stills-EN-7-1024x578.png 1024w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rauscher-LINA-Stills-EN-7-300x169.png 300w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rauscher-LINA-Stills-EN-7-768x433.png 768w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rauscher-LINA-Stills-EN-7-1536x866.png 1536w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rauscher-LINA-Stills-EN-7-2048x1155.png 2048w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rauscher-LINA-Stills-EN-7-1920x1083.png 1920w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rauscher-LINA-Stills-EN-7-720x406.png 720w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rauscher-LINA-Stills-EN-7-580x327.png 580w, https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rauscher-LINA-Stills-EN-7-320x180.png 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine Frau in der zweiten Reihe m\u00f6chte die Intentionen hinter dem Bild mit dem Wasserl\u00e4ufer erfahren und l\u00e4utet damit das Ende des Publikumsgespr\u00e4chs ein. Derartige Traumata ver\u00e4ndern die Menschen und hinterlassen ein Gef\u00fchl einer d\u00fcnnen Oberfl\u00e4che, eines fragilen Untergrunds, <em>where you can easily loose grip on<\/em> &#8230; Auch die untrennbare Dualit\u00e4t von Leben und Tod und meine pers\u00f6nliche Tendenz zu einer animistischen Weltanschauung seiend damit verbunden. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit f\u00fcr unseren Programmpunkt neigt sich dem Ende zu und der Applaus tut gut. Die Spannung flie\u00dft ab und die Freude \u00fcberwiegt wieder. Eine Frau kommt mir an den Treppen entgegen. So Vieles h\u00e4tte ihr der Film gezeigt und sie werde viel f\u00fcr ihre eigene Arbeit als Animatorin daraus mitnehmen. Sie kenne nat\u00fcrlich auch Betoffene und h\u00e4tte das Ph\u00e4nomen auch lange nicht gekannt. Es werde viel zu wenig dar\u00fcber gesprochen. Sie lebT derzeit in Frankreich, ihre Wurzeln seinen aber in Venezuela. Wir w\u00fcnschen uns noch sch\u00f6ne Festivaltage. Beim Ausgang spricht mich die Saalregie an und fragt nach weiteren Auff\u00fchrungen und wo man den Film sonst noch sehen k\u00f6nnte. Ich verweise auf die Projektseite, mit dem Versprechen, jede Anfrage mit einem Link zu beantworten. Mit der unbedingten Bitte, es weiterzuerz\u00e4hlen. Die j\u00fcnger Kollegin meint gar, dass sie sich w\u00fcnsche, dass <em>Lina<\/em> zur Pflichtlekt\u00fcre in unserer Gesellschaft werde. Jede:r sollte so etwas gesehen und geh\u00f6rt haben. So essenziell s\u00e4he sie den Wert der Offenheit und die therapeutische Wirkung. \u2013\u00a0Und ja, der Wasserl\u00e4ufer gef\u00e4llt ihr auch super und sie entl\u00e4sst mich mit dem Wink, dass das Motiv doch ein wirklich tolles Tattoo abgeben w\u00fcrde.  <\/p>\n\n\n\n<p>Ich blicke zur\u00fcck auf ein programmatisch und organisatorisch unglaublich rundes Festival. Leipzig, ihr habt schwer beeindruckt und inspiriert. Genauso, wie die vielen weiteren Filmgespr\u00e4che und Produktionen. Vielen herzlichen Dank f\u00fcr die Einladung! <\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-code\"><code>DOK Leipzig \u2013\u00a0Internationales Leipziger Festival f\u00fcr Dokumentar- und Animationsfilm \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dok-leipzig.de\/\">www.dok-leipzig.de<\/a><\/code><\/pre>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>\u201eMir hat das erst passieren m\u00fcssen, dass ich wusste, dass es \u201anormal\u2018 ist.\u201c Dieser Satz einer Protagonistin bringt auf den Punkt, wie unsere Gesellschaft mit ungeborenen und fr\u00fch verstorbenen Kindern umgeht: Sternenkinder sind omnipr\u00e4sent (jede vierte Mutter hat ein Kind verloren) und doch abwesend. Uns fehlen die Vokabeln, die Sensibilit\u00e4t und die Stille, um den Eltern die Trauer zu erm\u00f6glichen.<br>Remo Rauschers animierter Dokumentarfilm konfrontiert uns mit ebendieser Unf\u00e4higkeit. Hier sprechen zwanzig trauernde und mit Trauer befasste Menschen: Sie denken laut nach, ringen um Worte, betrachten den Schmerz aus unterschiedlichen Perspektiven, entdecken W\u00fcrde und Kraft darin und helfen uns so, das Tabu zu \u00fcberwinden. Sie wehren sich dagegen, ein \u201eFehler im System\u201c zu sein, die Sprachlosigkeit hinzunehmen. Die Dunkelheit in Rauschers Film ist ambivalent und auf allen Ebenen sp\u00fcrbar: Sie wirkt sogartig und zugleich f\u00fcrsorglich. Sie ist gro\u00dfz\u00fcgig und schenkt uns Momente von Sch\u00f6nheit, Demut und Hoffnung. Die 2D-Animationen in gedeckten Farben auf dunklem Hintergrund bleiben abstrakt, skizzenhaft und zur\u00fcckhaltend \u2013 ein Ausdruck von Feingef\u00fchl und Respekt. Nur gelegentlich lenken sie Aufmerksamkeit auf sich, w\u00e4hrend die Stimmen viel Raum bekommen und sich angstfrei entfalten k\u00f6nnen. Dieser Film \u00f6ffnet einen Raum zum Trauern, den die Gesellschaft noch nicht bieten kann.<\/p><cite>Irina Rubina<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon l\u00e4nger w\u00e4hrt sie an, die Vorfreude auf das kommende verl\u00e4ngerte Wochenende. Schon beim Einreichen k\u00f6dert der Titel Internationales Leipziger Festival f\u00fcr Dokumentar- und Animationsfilm. Wo, wenn nicht dort? Erst sp\u00e4ter begreife ich, dass dieses Dort eine der obersten Adressen f\u00fcr den internationalen Dokumentarfilm ist. 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