{"id":1114,"date":"2024-05-10T20:00:10","date_gmt":"2024-05-10T20:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/?p=1114"},"modified":"2024-05-14T10:03:15","modified_gmt":"2024-05-14T10:03:15","slug":"10-im-tempo-des-gegenuebers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/2024\/05\/10\/10-im-tempo-des-gegenuebers\/","title":{"rendered":"#10 Im Tempo des Gegen\u00fcbers"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine ganze Serie an Todesf\u00e4llen hat Eva in den letzten Jahren erreicht. Oft Paare, wo die m\u00e4nnliche Seite aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden gehen musste. Nahestehende Freunde. Dann die eigene Mutter. Danach der lange Abschied vom Schwiegervater und aktuell der anhaltende Prozess mit der Schwiegermutter. In dieser Zeit holte sich die Familie Unterst\u00fctzung in Form einer 24-Stunden-Betreuung. Eine selbst\u00e4ndige Pflegerin, die in dieser intensiven Phase sehr schnell Teil der Familie wird. Als diese wiederum k\u00fcrzlich ihre Schwangerschaft entdeckt, stehen sich Leben und Tod pl\u00f6tzlich unmittelbar gegen\u00fcber \u2013&nbsp;wenn auch nur f\u00fcr einen Augenblick. Denn bei Valentin wird ein seltener Gendefekt diagnostiziert. Er w\u00fcrde, wenn \u00fcberhaupt, nur wenige Tage oder Wochen \u00fcberleben. Man r\u00e4t zum Fetozid<sup data-fn=\"3cc800ad-5720-40da-93d2-a2ded62590bc\" class=\"fn\"><a href=\"#3cc800ad-5720-40da-93d2-a2ded62590bc\" id=\"3cc800ad-5720-40da-93d2-a2ded62590bc-link\">1<\/a><\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/remorauscher.at\/projekt-lina\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/10-Eva.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>Eva wei\u00df, dass sie ihre rum\u00e4nische Freundin nicht ohne Begleitung ins Krankenhaus gehen lassen kann. Allein schon wegen der Sprachbarriere. Als ehemalige Krankenschwester kennt sie auch den eng getakteten Alltag, wo es vorkommt, dass die Geduld nicht ausreicht, um komplexere Sachverhalte in einfachen Worten zu erkl\u00e4ren oder wiederholt runterzubrechen. Wo rasch entschieden und gehandelt werden muss. Und die Entscheidungen am Ende immer bei der Mutter liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Wunsch darf eine Begleitperson anwesend bleiben. Normalerweise sind das die V\u00e4ter, was in diesem Fall nicht m\u00f6glich ist. Dieser ist selbst\u00e4ndiger Unternehmer und hat keine Chance, sich rauszurei\u00dfen und spontan anzureisen. Per Videochat steht er seiner Frau Tag und Nacht bei. Genauso wie die gesamte Familie quasi remote einen Schutzraum bildet. Die Mutter sp\u00fcrt, dass sie trotz der achthundertvierzig Kilometer Distanz nicht alleine ist. Eva \u00fcbersetzt, vermittelt und f\u00e4ngt auf, was dem gebrochenen Deutsch durch die Finger gleitet. F\u00fcr einen leistbaren Tagessatz arrangiert sie ein Zusatzbett und bezieht seit Minute Null die Position eines Fels. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Wir sind halt mehr und mehr zusammengewachsen. Genauso wie die Betten im Krankenhaus immer n\u00e4her zusammen gerutscht sind. Zum Schluss war\u2019s ein Doppelbett.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Es wird ihnen ein Zimmer auf der Gyn\u00e4kologie zugeteilt. Es folgt eine Infobrosch\u00fcre f\u00fcr die kommende Bestattung. Ein erster Flash \u2013 trotz des einf\u00fchlsamen Personals und der fachkundigen Aufkl\u00e4rung. Auf den G\u00e4ngen ist es verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ruhig und doch ist die Stimmung merkw\u00fcrdig. Eva zeigt mir ein Foto vom T\u00fcrschild: &#8220;Bitte nicht st\u00f6ren&#8221;. Die Anzahl dieser Schilder l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass hier einige Frauen liegen, die den gleichen Prozess durchmachen. Und das sind eigentlich nicht wenige.<\/p>\n\n\n\n<p>Am ersten Tag: die T\u00f6tung. Die Mutter verabschiedet sich, redet mit ihrem Bauch. Bittet um Verzeihung. Eva erinnert sich, weil es f\u00fcr einige Tage, das letzte Mal gewesen sein wird. Man nicht geahnt hat, welchen Einfluss die Nicht-Loslassen-Wollende auf den Prozess haben wird. Dann wird \u00f6rtlich bet\u00e4ubt, durch die Nabelschnur auch dem F\u00f6tus schmerzstillende Mittel verabreicht. Sie habe die H\u00e4nde des Arztes zittern gesp\u00fcrt, schildert die Mutter sp\u00e4ter. Via Ultraschall wird durch die Bauchdecke geleuchtet, bis die Nadel im zweiten Anlauf das Kaliumchlorid in das fetale Herz transportiert. Wenige Minuten sp\u00e4ter der Stillstand.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Die Entscheidung liegt schlu\u00dfendlich immer bei der Mutter. Medizinisch bekommst Du die Empfehlung, aber es zwingt dich keiner.<br>Es ist deine Entscheidung und die ist massiv heftig bei einem Wunschkind.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Den ausf\u00fchrenden Arzt die Tage darauf am Gang anzutreffen und zu gr\u00fc\u00dfen, ist schon recht behaftet. Auch wenn er seinen Job gut gemacht hat, gibt es einfach keine gute Emotion dazu. Und trotz der verh\u00e4rteten Stimmung, war die gesamte Belegschaft mit viel Gef\u00fchl dabei und hat die Patientin immer dort abgeholt, wo sie gerade war. Beide sind sehr positiv \u00fcberrascht. Der Vorschlag die Betten zusammen zu schieben, kam auch von einer erfahrenen Schwester. <br><br>Ein bis eineinhalb Tage sp\u00e4ter bekommt man das erste Wehenmittel. Da sich die Natur erst in der sechsundzwanzigsten Woche befindet, muss man dem K\u00f6rper signalisieren, dass es losgehen darf. Und dabei w\u00fcnscht sich die Mutter nicht nur einmal, dass das Kind anderweitig entfernt wird. Immer wieder erkl\u00e4rt man ihr, dass ein Kaiserschnitt nur gemacht wird, wenn Gefahr f\u00fcr ein Leben besteht. Da dies f\u00fcr Valentin nicht mehr gilt, w\u00e4re der Eingriff und die Wundheilung ein Risiko. Solange keine Entz\u00fcndungen oder dergleichen entstehen, wird eine nat\u00fcrliche Geburt bevorzugt. Auch um den hormonellen Abl\u00e4ufen m\u00f6glichst in die H\u00e4nde zu spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was mit zwei Tagen angek\u00fcndigt war, nimmt einen Verlauf von f\u00fcnf. Die Methoden greifen nicht. Der K\u00f6rper der Mutter reagiert nicht so, wie man sich das erhofft. Und Eva erinnert sich, dass der  Bauch der Mutter tats\u00e4chlich gr\u00f6\u00dfer wurde, solange sie daran geglaubt hatte, dass das Baby aufgeht. Wie ein Toter, der im F\u00e4ulnisprozess f\u00fcnf Tage in einem Zimmer rumliegt. Was halt einfach nicht der Fall ist. Psychosomatische Mechanismen sind oft viel penetranter als jedes Medikament. Unz\u00e4hlige Gespr\u00e4che pr\u00e4gen die n\u00e4chsten Stunden und Tage. Die intensive N\u00e4he in dieser Extremsituation l\u00e4sst auf menschlicher Ebene massiv zusammenwachsen. Eva verwandelt sich von der treuen Begleitung zur unabdingbaren zweiten H\u00e4lfte des Prozesses. Obwohl die Zeit voranschreitet und die \u00c4rzte bald zu rudern beginnen, werden nur mehr Dinge zugelassen, die beide Frauen guthei\u00dfen. Und der Mutter hilft es enorm, trotz l\u00f6chriger Dialoge. Durch Evas Erfahrung in der K\u00f6rperarbeit hat sie Sensibilit\u00e4ten daf\u00fcr entwickelt, wo und wann sie mit ihren Fragen punktet oder etwas ausl\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Ich wei\u00df ja, dass das Baby jetzt kommen soll. Ich wei\u00df es. Und ich versteh nicht, warum es nicht kommt. \u2013&nbsp;Das bist Du, das ist dein Verstand. Das ist die Mutter in dir, die noch nicht loslassen will.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Mittlerweile dauert bald alles viel zu lange. Auf die Frage einer betreuenden Psychologin, stellen sie fest, dass die Mutter seit Tagen nicht mehr mit dem F\u00f6tus gesprochen hat. Sich wohl unterbewusst nicht trennen kann, aber auch versucht sich zu sch\u00fctzen. Daraufhin beginnen sie einen Brief zu schreiben. Mithilfe eines \u00dcbersetzungsprogramms erst am Telefon, dann auch per Hand auf Rum\u00e4nisch. Ein essentieller Baustein im Trauerprozess, der sp\u00e4ter auch der Urne beigelegt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Den letzten Tag verbringen sie fast nonverbal mit K\u00f6rperarbeit. Eva ber\u00fchrt, wo die Mutter es braucht. Spendet und lenkt Aufmerksamkeit. Gemeinsam l\u00f6sen sie Blockaden und erzeugen Bewegung. Schritt f\u00fcr Schritt betritt Akzeptanz das Feld. Die Mutter und Valentin lernen und beginnen voneinander loszulassen. Ein befreundeter K\u00f6rperarbeit-Praktiker sendet Worte in der Landessprache. Ein heilsamer Impuls, wenn man im Ausland einer derartigen Situation ausgesetzt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Und ich muss sagen, dass ich es erst verstanden hab, als das Baby da war, dass es wirklich wichtig ist&#8221;, erinnert sich Eva und schildert, wie sie der strahlenden Mutter gegen\u00fcberstand, die soeben ihr Kind auf nat\u00fcrlichem Wege zur Welt gebracht hatte. Der K\u00f6rper gleicht den physischen, sowie psychischen Schmerz aus. Die Hormonaussch\u00fcttung ist n\u00e4mlich immer die gleiche und die Mutter f\u00fchlt trotz der Totgeburt nur mehr Liebe und Gl\u00fcck. Ein Paradoxon der Natur, m\u00f6chte man meinen. Und dabei entsteht unweigerlich ein sonderlicher Eindruck von Gleichgewicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Bei ihr sind genauso die Endorphine gekommen. Und sie hat auch gestrahlt, wie wirklich eine Mama strahlt, wenn sie ein lebendes Baby kriegt.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Heute zieht Eva den Hut vor der Hebamme, die den Raum so gut h\u00e4lt. Der Mutter auch volle Eigenmacht zugesteht, indem sie ihr die Dosierung des Lachgases selbst \u00fcberl\u00e4sst. Und so verdichtet sich auch die Atmosph\u00e4re, als die Familie im Staffellauf per Videochat der Mutter durchgehend den R\u00fccken st\u00fctzt. Die letzte H\u00fcrde \u00fcberwindet sie nach einem wichtigen Kommentar einer Nachtschwester, die aus eigener Erfahrung veranschaulicht, dass die Angst bald von selbst weichen wird. Ereignissen wie diesen, wohnt immer etwas Engelhaftes inne. Ein Sprachbild, das der rum\u00e4nischen Kultur n\u00e4her steht, als so manch verkopfte Umschreibung. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Dann war zu Sehen und Sp\u00fcren, wie alles ganz weich wird bei ihr&#8221;, erinnert sich Eva und w\u00fcnscht sich gleichzeitig, dass es &#8220;einfach nur ein sch\u00f6nes Kind&#8221; wird. Und so kommt es dann auch. Denn Valentin ist sogar wundersch\u00f6n. Genauso wie die folgenden Stunden im Kreiszimmer. Funkelnder Augen beschreibt sie das Bild auf dem Sofa, wo sie sitzen und Saft trinken. Ganz normal, wie Freunde mit einem Baby.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens hier dr\u00e4ngt sich die Frage auf, inwiefern man sich in solchen Momenten unweigerlich in der Vaterrolle wiederfindet. Dabei durchtrennt Eva doch auch die Nabelschnur und bekommt jede Emotion als Einzige der Familie hautnah mit. F\u00e4ngt ab, was der Mutter nicht gut tun w\u00fcrde, denkt an Amtsg\u00e4nge und Organisatorisches. Die Mutter nimmt das Angebot, Valentin am \u00f6sterreichischen Familiengrab zu bestatten, gerne an. Wo Eva einige Tage sp\u00e4ter auch zum ersten Mal dem Vater begegnet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Wir haben uns gut verstanden. Es war gleich eine gute Ebene da und klar, dass wir uns beide auf eine Art und Weise grad dankbar sind. Er mir, dass ich f\u00fcr seine Frau da war. Und ich ihm, dass ich das erleben hab d\u00fcrfen.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Die kulturellen Unterschiede werden auch im Nachhall des Ereignisses noch des \u00d6fteren sichtbar. Die Mutter entscheidet sich bei der provisorischen Gestaltung des Grabsteins f\u00fcr ein reales Foto von Valentin und durchst\u00f6\u00dft dabei ein Tabu, erinnert sich Eva. Auch die verschn\u00f6rkelte Schriftart f\u00fcr die Gravur will man ihr anfangs ausreden. Geradlinig und lesbar muss es in \u00d6sterreich sein. Die Mutter setzt sich durch und betont: &#8220;Rum\u00e4nische Gr\u00e4ber haben diese Schrift und diese ist gut, weil mein Baby ist rum\u00e4nisch.&#8221; <\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00dcberstellung w\u00e4re schon rein aus Kostengr\u00fcnden nicht m\u00f6glich gewesen. Man m\u00fcsste eine befugte Person pro Kilometer bezahlen. Auch der Fetozid entspr\u00e4che laut rum\u00e4nischer Gesetzgebung einem Verbrechen. Durch die Hintert\u00fcr h\u00e4tte man es schon durchf\u00fchren k\u00f6nnen, so die Erz\u00e4hlung. Doch notwendige Nachbehandlungen einer sich m\u00f6glicherweise nicht l\u00f6senden Plazenta oder eine Curettage h\u00e4tte das System in diesem Fall nicht aufgefangen. Eine prek\u00e4re L\u00fccke im dortigen Gesundheitswesen, dem ethischen Verst\u00e4ndnis einer stark christlichen Pr\u00e4gung anhaftend, hier kaum vorstellbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Eva bleibt diplomatisch auf die Frage, ob dem unsrigen Kulturkreis auch Dinge fehlen und sieht die Enttabuisierung als wichtigstes Mittel zur Verbesserung. Obgleich das Timing f\u00fcr die Infobrosch\u00fcre zur Bestattung echt daneben war und auch das Angebot f\u00fcr eine Obduktion Emp\u00f6rung ausl\u00f6st. In dieser surrealen Zeit kommt man in die Zahnr\u00e4der eines Apparats, der in gewissen Abl\u00e4ufen mehr auf Korrektheit als Mitgef\u00fchl getrimmt ist. Und klar mag es helfen, den Gendefekt im Nachhinein best\u00e4tigt zu sehen. Nur welchen Rattenschweif das Gegenteil nach sich ziehen w\u00fcrde, ber\u00fccksichtigt die Tonalit\u00e4t der Fragestellung nicht. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Ich muss jetzt die Entscheidung treffen, im Vertrauen darauf, dass ihr euren Job gut gemacht habt \u2026 Es ist vollkommener Irrsinn, dass ich im Nachhinein noch schau, ob das wirklich so ist.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Obduktion wird abgelehnt. Brosch\u00fcren werden hinterfragt. Denn das \u00fcbliche Prozedere, wie es normalerweise abl\u00e4uft, ist ja sch\u00f6n und gut. &#8220;Aber man sollte auch einen ann\u00e4hernden Funken vom Worst-Case haben, der halt einfach auch eintreten kann.&#8221;, betont Eva. Au\u00dferdem hapert es an Gespr\u00e4chs- und Austauschm\u00f6glichkeiten. Besonders in F\u00e4llen, wo bewusst abgetrieben werden muss, gibt es viel zu wenig Begleitung. Da steht ganz viel Schuld und Nichtwissen im Raum. Wie zum Beweis stelle ich innerlich fest, dass ich den Begriff &#8220;Fetozid&#8221; bis dato nicht einmal gekannt, geschweige denn gewusst habe, wie er durchgef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem offenen Umgang sei aber auch die Kehrseite durchaus legitim. Eva erinnert sich an eine bestimmte Reaktion im Umfeld der Familie, wo in den Anf\u00e4ngen der Trauerphase der Kontakt zur Betroffenen bewusst unterbunden wurde. Nur leider wurde dies ohne jeglichen Kommentar gemacht. Eine noch so knappe Aufkl\u00e4rung, dass man derzeit Abstand halten m\u00f6chte, es einem zu nahe geht \u2013 aus welchen Gr\u00fcnden auch immer \u2013 h\u00e4tte die Beklommenheit gel\u00f6st. Denn die betroffene Person hat k\u00fcrzlich durchaus H\u00e4rteres \u00fcberstanden, als dass eine derartige Information Dinge ins Wanken bringen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Sternenkinder sind weniger tabuisiert, als Fetozide und Abbr\u00fcche. Weil da noch viel mehr Scham drauf ist.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele Momente ist Eva dankbar und ein besonderer Vergleich dr\u00e4ngt sich ihr auf: &#8220;Denn gerade bei Menschen, die bewusst gehen k\u00f6nnen, weil sie nicht total mit Medikamenten niedergedr\u00fcckt sind, \u00e4hnelt es total oft einer Geburt.&#8221; Und auch in der K\u00f6rperarbeit sp\u00fcrt man diese \u00fcbergeordnete Verbindung fernab jedes spezifischen Glaubenssatzes. Im K\u00f6rperlichen kn\u00fcpfen wir an ein unbewusstes Wissen an, eine Art Basis, die uns alle vereint. Man muss nur Zulassen lernen und Offenheit kultivieren. Die Kan\u00e4le f\u00fcr das Universelle \u00f6ffnen. Wo doch Religion und Wissenschaft brauchbare Anhaltspunkte liefern, bleibt die individuell zwischenmenschliche Verbindung, die wohl unmittelbarste. \u00dcber jede verbale Barriere erhaben, emotional nahbar und bewusst irrational. <br><br>Und hier kn\u00fcpft auch die gro\u00dfe Lehre an, die Eva aus dieser Zeit f\u00fcr sich mitnimmt. Denn das prognostizierte Datum der Entlassung war von Anfang an eine wage Hausnummer, an die man sich vorerst geklammert hatte. Auch die medizinischen Methoden haben immer erst dann gefruchtet, wenn die Mutter auch wirklich bereit dazu war. Bewegung konnte schlicht nur im Tempo des Gegen\u00fcbers stattfinden. Trainierte Erwartungshaltungen und gutgemeinte W\u00fcnsche stehen dabei oft nicht im Einklang mit der Natur der Sache. Darum sollte in diesen F\u00e4llen vielmehr eine Schule des Vertrauens stattfinden, um Loslassen zu lernen. Auf meine obligatorische Frage verneint Eva die grunds\u00e4tzliche Endlichkeit des Lebens: &#8220;F\u00fcr mich h\u00f6rt\u2019s nicht wirklich auf und f\u00e4ngt auch nicht wirklich an, weil es ein Kreislauf ist.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"3cc800ad-5720-40da-93d2-a2ded62590bc\">Der Begriff &#8220;Fetozid&#8221; bezeichnet die gezielte T\u00f6tung und Entfernung eines oder mehrerer F\u00f6ten im Mutterleib.\u2013\u00a0Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fetozid\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fetozid<\/a> <a href=\"#3cc800ad-5720-40da-93d2-a2ded62590bc-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine ganze Serie an Todesf\u00e4llen hat Eva in den letzten Jahren erreicht. Oft Paare, wo die m\u00e4nnliche Seite aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden gehen musste. 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